Meine ersten Erfahrungen mit einem Zweirad im Straßenverkehr habe ich mit 14 Jahren gemacht. Damals hatte ich das Glück, einen passionierten Motorradfahrer als Fahrlehrer zu haben.

Das erste, was er mir in seinem Unterricht beigebracht hat, war seine goldene Sicherheitsregel für Motorradfahrer. “Fahre immer so, als wären alle anderen Verkehrsteilnehmer Idioten”.

Jetzt, nach über 40 Jahren auf dem Motorrad, kann ich die Sicherheitsregel von meinem alten Fahrlehrer nur bestätigen. Dreimal in dieser Zeit haben mich Autofahrer unsanft von meinem Motorrad befördert und mehrere tausend Male wäre es ohne umsichtiges Fahren meinerseits zu Unfällen gekommen. Obwohl der Begriff Idiot ein wenig harsch klingt, enthält er doch viel Wahrheit.

Um dies zu verstehen, müssen wir uns in die Welt der Autofahrer versetzen, die noch nie Kontakt mit Motorrädern hatten. Der erste Unterschied liegt in der Beschleunigung. Ein modernes Motorrad erreicht ohne Probleme die Beschleunigung eines Super-Sportwagens, den sich nur wenige Leute leisten können. Unter drei Sekunden auf 100 Kilometer in der Stunde wird die Luft für viele Sportwagen sehr dünn, das sind Beschleunigungswerte, die moderne Motorräder erreichen. Normale Autofahrer können sich also keine Vorstellung von der Beschleunigung von modernen Motorrädern machen.

Die andere Sache ist, dass Autofahrer von ihrer Umgebung abgeschirmt sind. Sie fühlen sich in der Umgebung ihrer Autos sicher, so sicher, dass sie sich schon einmal mit dem Finger in der Nase herum stöbern. Je nach Automodell können sie die normalen Umweltgeräusche nicht mehr hören. Sie können die Beschleunigung eines Motorrades auf Distanz nicht hören und ihnen fällt das Einschätzen des Abstands sehr schwer.

Das führt dazu, dass ein Autofahrer auf einmal ausschert, weil er die Distanz völlig falsch eingeschätzt hat. Das sind nur zwei Beispiele für die Idiotie, die mein alter Fahrlehrer meinte. Die sicherste Fahrweise ist also, sich auf niemanden zu verlassen und immer auf den nächsten Idioten vorbereitet zu sein.