Dann leiden darunter meist die rationalen Gründe. Dann kann der Motorradkauf leicht zum Desaster werden.

Als passionierte Motorradfahrer sind wir alle leidenschaftliche Personen, die sich gerne von ihren Gefühlen leiten lassen. Diese sind es ja gerade, die uns an dies Hobby binden. Geschwindigkeit, Freiheit, Beschleunigung, Brüderschaft und Verbundenheit sind alles Gefühle, die uns das Motorradfahren vermittelt.

Genau deswegen ist es auch so schwer, das nächste Motorrad rational auszuwählen. Wir lassen uns oft nicht von praktischen Gründen leiten, unsere Emotionen spielen beim Kauf eine große Rolle. In den meisten Fällen bremst uns wahrscheinlich nur die geeignete Summe auf dem Bankkonto, um nicht eine ganz verrückte Entscheidung zu treffen.

Aber es ist ja auch ein Teil der Faszination Motorrad, monatelang Prospekte und Motorrad-Zeitungen zu studieren und das neueste Traum-Motorrad anzuhimmeln. Dabei lassen wir uns von vielen Emotionen leiten, die Außenstehende wahrscheinlich nie verstehen werden. In unseren Gedanken fahren wir unser Traum-Motorrad schon, Monate bevor wir es tatsächlich beim Händler in Empfang nehmen können.

Als älterer Motorradfahrer kann ich von einigen Motorrädern berichten, die ich ausschließlich aus emotionalen Gründen gekauft habe. Einige davon sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben, in erster Linie, weil sie meine damaligen Fähigkeiten bei Weitem überstiegen. Bei meiner ersten Z 900 hatte ich die ersten Monate das Gefühl, dass sie es einfach nur darauf anlegte, mich bei der nächsten Gelegenheit abzuwerfen. Auf die teilweise brutalen Reaktionen des Motorrads war ich nicht vorbereitet. Erst nach monatelanger Fahrpraxis konnte ich mein erstes Supersport-Motorrad so richtig genießen.

Bis dahin wurde ich aber mit einigen Situationen konfrontiert, die leicht ins Auge hätte gehen können. Mit viel Glück ist nichts passiert. Deswegen lege ich jedem Motorradfahrer nahe, beim Kauf des nächsten Zweirads auch das eigene Können mit einzukalkulieren. Vielleicht reicht auch ein Motorrad mit weniger Leistung, mit dem der Fahrer sein Können in kleinen Schritten an eine größere Maschine anpassen kann.